Geschichte der Elektromobilität in Lüdinghausen

Ende des letzten Jahrhunderts ging es los mit der sog. Neuen Elektromobilität, auch in Lüdinghausen. Eine Vorreiterrolle spielte damals das Autohaus Rüschkamp. Und eine Schule, das Gymnasium Canisianum, das damals eine der ersten PV-Anlagen in Lüdinghausen bekommen hatte. Zur Inbetriebnahme der Solarzellen schenkte Joan Hendrik Rüschkamp seiner alten Schule ein kleines Elektroauto für eine Schüler-AG, das „Sunny-Cani-Team“, das schon 1998 den Umweltpreis der Stadt erhalten hatte. Unter Leitung von Bernd Lieneweg wurde eine kleine Werkstatt eingerichtet, wo das Auto, ein gebrauchtes CityEL, instandgehalten wurde. Regelmäßig nahm das Team ab 1999 an verschiedenen Rallyes für Elektroautos teil. Der zweite Kabinenroller kam von der Wolfsberg-Apotheke, ein dritter wurde gebraucht gekauft. Im Jahr 2000 beteiligten sich zwei Abiturienten des Cani-Teams erstmalig an der Tour de Ruhr durch das Ruhrgebiet. 2001 bezog das Fahrerlager der Tour de Ruhr die Cani-Turnhalle für den Start in Münster und machte Etappenhalt in Lüdinghausen. 2002 beteiligte sich das Schülerteam an der 10. Solarmobil Tour de Ruhr, die bei Rüschkamp in Lünen startete. Die 11. Eco Tour de Ruhr ging von Selm aus, wo auch ein alter umgebauter Opel Kapitän mit Erdgas-Antrieb startete. Stationen gab es in Dortmund und natürlich auch wieder in Lüdinghausen. 2004 kam dann zur Tour de Ruhr als Ergänzung die 1. Solarchallenge Münsterland, die einzige, die von didacTECH ruhrgebiet durchgeführt und im Bauhaus der Burg Lüdinghausen Quartier bezogen hatte. Die 12. ECO-Tour startete gleichzeitig als 1. bundesweiter Erdgasfahrertag. Außerdem fuhr erstmalig ein Mini-Benzin-Elektro-Hybridauto von Suzuki mit. Hendrik Rüschkamp erinnerte an die erste Tour im Sommer 1992, die er in dem Jahr, in dem in Rio die Agenda 21 ins Leben gerufen wurde, mit Arnold Bock und Gerd Petrusch aus Dortmund auf den Weg geschickt hatte.  Im November 2004 wurde die lange geplante Solaranlage auf dem Dach des Cani in Betrieb genommen. Erstmals kamen dabei Lukas Nacke und Fabian Pellmann ins Spiel, die heutigen Mitveranstalter der Solarchallenge Münsterland. Als computertechnische Betreuer der PV-Anlage „leckten sie erstmals Strom“ und fanden heraus, dass die Cani-Solarzellen die höchste Effektivität vergleichbarer Anlagen bundesweit aufwiesen (WN 11.11.2004). Es blieb nicht bei der „Heliometrie am Cani“, es war ihr Einstieg in das Autofahren mit der Energie der Sonne. Bei den nächsten Touren entwickelten sie sich von Beifahrern und nach bestandener Führerscheinprüfung zu echten Elektroauto-Piloten. Sie erlebten 2005 den (vergeblichen) Start von Bio-Ethanol in Verbrenner-Autos. Und in den Schulfahrzeugen den Weg von der Bleibatterie über Nickel-Cadmium-Technologie zu den heute üblichen Lithium-Ionen-Batterien. Am Cani bauten sie eine der ersten öffentlichen Stromtankstellen mit auf. Im Sommer 2007 holten sie nach wochenlangem Schrauben, Löten und Spachteln an einem neuen alten Auto (WN 27.7.2007) als Fahrer für das Sunny-Cani-Team den ehrenhaften vierten Platz. Inzwischen war eine größere, professionellere Werkstatt mit Wagenheber und großem Ersatzteillager auf dem Hof Nacke in Kökelsum bezogen. Die Cani-Schüler konnten sich fortan mit drei Autos u.a. auch an der Tour de Ruhr beteiligen. Der letzte Akt des Sunny-Cani-Teams war dann 2008 die Wiederbelebung der Solarchallenge Münsterland, die nun vom Cani aus veranstaltet wurde. Die beiden Schüler machten Abitur, Lehrer Bernd Lieneweg wurde in den Ruhestand verabschiedet. Doch aus dem Ende des Sunny-Cani-Teams wurde die Neugründung des EL-Teams Münsterland. Ein Segen für die Gruppe war der neue Hausmeister am Cani, von Beruf Elektriker, genau der richtige vierte Mann im Team. Ein weiterer Segen für das Treffen der Elektroauto-Enthusiasten ist das Gymnasium Canisianum als Austragungsort der nunmehr 20. Solarchallenge Münsterland, die am kommenden Freitag wieder auf Fahrt geht.

WN am 28. April 2008

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