
Lüdinghausen. Die 20. Solarchallenge Münsterland war nach Aussagen der Teilnehmer ein voller Erfolg. Die Sonne belohnte die Solarmobilisten mit Strahlen ohne Einschränkung, die ausgewählten Ziele der Rallye waren vielfältig und abwechslungsreich gewählt, die Basisstation am Gymnasium Canisianum erwies sich wieder als Glücksfall für Organisatoren und Fahrer. Besonderes Lob verdient die ausgezeichnete Verpflegung in der Schulmensa.
Am Freitagnachmittag startete die Tour bei der Firma Reiling in Münster, die sich dort auf das Recycling von Solarzellen spezialisiert hat.

Frau Sarah Menden vom Marketing der Firma begrüßte die Gäste bei Getränken und Kuchen und stellte zunächst die familiengeführte Firma vor. Seit fast 70 Jahren widmet sich diese dem Glasrecycling, die Tochterfirma PV-Recycling ist seit 2023 als eine der ersten in der Lage, Solarzellen in besonders reine Fraktionen zu zerlegen.


Die dafür entwickelte Maschine blieb für die Zuschauer eine blue box im Hintergrund, gezeigt wurden die von ihr in größter Reinheit produzierten Produkte. Das Einbringen der gelagerten Schrott-Module mit großen Radladern tat den PV-Nutzern – und das sind eigentlich alle alten Elektroauto-Enthusiasten – natürlich weh, aber die Kenntnis, dass die gelieferten Endprodukte wie Glas, Aluminium und Silizium sowie das Kupfer aus den Kabeln wiederverwendet werden, überzeugte dann doch. Lediglich die Folien müssen verbrannt werden, werden also zumindest thermisch genutzt.

Die eigentliche Tour am Samstag führte die E-Mobilisten zunächst zur Mühle Zumbülte in Nottuln.

Die Mühlen-Crew vom Heimatverein Nottuln um die Besitzer-Familie Zumbülte ist in Bezug auf Enthusiasmus für die Sache den Elektroautobastlern mehr als ebenbürtig. Mit großer Leidenschaft haben sie in jahrelanger Ehrenarbeit die Mühle nicht nur vor dem Verfall gerettet, sondern die volle Funktionalität aller Teile wiederhergestellt. So läuft die Mühle wieder, allerdings ohne Korn zu mahlen, dazu gibt es keine Lizenz, und das regelmäßige Reinigen ist gar nicht von Ehrenamtlern leistbar. Allein die regelmäßigen Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen beschäftigen den Verein zur Genüge. Einzig der riesige alte Elektromotor, der mit seinen 24 PS zeitweilig die Wasserkraft des Nonnenbachs ersetzen musste, läuft (noch) nicht, aber die Diskussion über das zum Anlaufenlassen nötige Steuergerät (Betriebskondensator) war für die Elektriker unter den Elektrofahrern allein schon interessant.


Ganz anders, aber nicht weniger spannend, war die Führung durch das Stift Tilbeck mit seinen Einrichtungen durch den Ehrenamtskoordinator Reinhard Nieweler.
Er beleuchtete zunächst die Geschichte des 1881 gegründeten Stifts und erläuterte in der Kapelle die dortigen Kunstwerke, den Altar und die Glasbildfenster. Ursprünglich von Gertrud Teigelkemper als Anstalt für Epilepsiekranke erbaut, kümmert sich die Einrichtung heute ganz allgemein um behinderte Mitmenschen, die größtenteils auch dort wohnen und in Behindertenwerkstätten arbeiten Darüber hinaus gibt es dort ein Altenheim, eine Kaffeerösterei, den bekannten Bücherturm und einen Secondhand-Laden. Ein Spaziergang durch die Anlage führte auch zu dem erst 2001 erstellten Denkmal für 228 Menschen mit Behinderung. „Der gebrochene Engel“ erinnert an die Deportation und die Ermordung im Rahmen der Euthanasie-Aktionen im dritten Reich. Erwähnt wurde auch der Übergang der Stiftung Tilbeck zu den Alexianern, deren Wirken mit Spannung und Hoffnung erwartet wird. Zur gelebten Inklusion gehört neben der Münsterland-Schule auch das Café, wo sich die Teilnehmenden bei Kaffee, Kuchen und Eis von den vielen neuen spannend erzählten Informtionen erholen konnten für den dritten Teil der Ausfahrt zum Museum für Glaskunst in Lette. Die Ernsting-Stiftung auf dem alten Hof Herding zeigt dort die Neuerwerbungen aus dem Jahr 2025 unter dem Thema „Wo ist mein Paradies“. Bewundert wurden die sehr aufwendig erstellten Glaskunstwerke, die man nur unter sachkundiger Führung in ihrer kunsthandwerlichen Ausführung verstehen kann. Nach der für Elektroautoenthusiasten nicht alltäglichen Einführung in Geschichte, Kunst und Kunstgeschichte freuten sich die Fahrer auf den Grillabend auf dem Hof des Canisianums. www.el-team-muensterland.de






























