Mit dem CityEL-Cup fing es Ende der 1990er Jahre an. Die Tour de Ruhr war noch nicht geboren, aber die Väter waren schon da und hatten die ISOR gegründet – mit Vorstand und Pressesprecher.

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Tour de Ruhr 1997 verpasst – Alternative: City-El-Cup vom 03.10. – 05.10.1997 in Dortmund

City EL, Foto in Wikipedia.

Fahrt zum City-El-Cup vom 03.10. – 05.10.1997 nach Dortmund


Bericht eines Enthusiasten, dessen Name noch gesucht wird.

Nach einem, wenn auch nicht spektakulären, aber doch wenigstens
nicht alltäglichem Einsatz meines City-El möchte ich gern
möglichst vielen mitteilen, dass aus diesem Fahrzeug mehr
herauszuholen ist als man gemeinhin annimmt.

1 Ausgangslage
Nachdem ich 1996 in Dortmund die ISOR (Initiative Solarmobil
Ruhrgebiet e. V.) kennengelernt hatte, nahm ich mir vor, diese
Verbindung zu halten und wenn möglich, 1997 an der Tour de Ruhr
teilzunehmen.
Selbstverständlich wollte ich elektrisch hinfahren und hatte
mir Panzerröhrchenbatterien gekauft. Die Teilnahme scheiterte
trotz der neuen Batterien, die sich mit dem Ladegerät des City-
El nicht verstanden.
So wollte ich zumindest zum City-El-Cup erscheinen.

2 Voraussetzungen
Natürlich hatte ich immer noch keine anderen Batterien. Der
Batteriesatz setzte sich darum recht abenteuerlich zusammen:
 Eine alte Detabatterie, vor eineinhalb Jahren gebraucht
übernommen, seitdem „nur“ 10 000 km bei mir gefahren. (hat
nach der Dortmundfahrt schon das zeitliche gesegnet)
 eine geschenkt erhaltene gebrauchte Oldhambatterie. Diese
Batterie hatte bei mir einige Monate gestanden und wurde ca.
ein bis zwei Wochen vor der Fahrt eingebaut und richtig
gefordert. Sie ist heute noch im Einsatz.
 eine neue Steinbeck-Panzerröhrchenbatterie, deren
Ladekennlinie leider nicht mit dem Ladegerät des City-El in
Übereinstimmung zu bringen war, die aber im Verbund mit den
oben genannten Batterien prächtig funktionierte.

3 Planungsphase
Das wesentliche Problem war bekanntermaßen das elektrische
Tanken. Soweit wie möglich wollte ich mich schon absichern. Der
Rest musste als Abenteuer bewältigt werden.
Von der Solartankstelle in Jülich hatte ich gehört, so dass
hier die Verbindungsaufnahme relativ einfach möglich war.
Nachdem ich die derzeit gültige Telephonnummer herausgefunden
hatte, die mir vorliegenden Informationen stimmten nicht mehr,
klappten die Absprachen nach zuerst erwarteten Problemen recht
gut. Schließlich wollte ich mitten in der Nacht an einem
Feiertag vorbeikommen.
Für die Fahrstrecke bis zum Rhein hatte ich Kartenstudium
betrieben und den Weg auch abgefahren, so dass bis zur
Rheinfähre bei Zons eigentlich keine Probleme auftreten
konnten. Eine Strecke von fast 50 km sollte bei ebener bis
leicht abfallender Streckenführung zu bewältigen sein. Für das
dort notwendige Tanken war ich zuversichtlich. Beim
Campingplatz sowie den dort gelegenen Gaststätten fand ich, als
ich mir die Gegend ansah, an diesem Tag keinen Ansprechpartner,
aber da war ich optimistisch.
Als zweite Solartankstelle hatte ich die Wuppertaler Stadtwerke
herausgefunden, wo man mir sehr freundlich den Weg beschrieb.
Uhrzeit und Ladedauer spielten keine Rolle.
Den weiteren Weg wählte ich auf der Karte so, dass ich
möglichst immer im Tal bleiben konnte. Ausführliche Gespräche
in der Dienststelle mit einem erfahrenen Wanderer waren mir
sehr von Nutzen.
Genaue Karten im Maßstab 1:100 000, Multimeter, Schlafsack und
Verpflegung, und das Risiko sollte vertretbar sein. Vom Zelt
sah ich dann aus Gewichtsersparnis ab.
Sinnvollerweise machte ich mir einen genauen Ablaufplan: Ort,
Strecke, voraussichtliche Uhrzeit sind dabei die wesentlichen
Daten. So fühlte ich mich für die Fahrt von errechneten 140 km
ausreichend gerüstet.

4 Durchführung
Freitag morgen um 4 Uhr warf mich der Wecker aus dem Bett. Nach
kurzem Abnehmen und Wiederanschließen des City-El, Packen der
restlichen Dinge sowie Frühstück und Befüllen der Thermoskanne
verzögerte sich die Abfahrt auf 5 Uhr statt der geplanten 0430
Uhr. Aber ich nahm sowieso an, dass mein Zeitplan mehr als
großzügig bemessen sei.
Durch Nutzen nicht ganz legaler Wege ging ich zunächst einigen
Steigungen aus dem Weg, musste eine Ampel um 5 Uhr morgens bei
rot überfahren, weil die Induktionsschleife das Fahrzeug nicht
erkannte und um diese Uhrzeit natürlich noch keiner unterwegs
war, der dies für mich tun konnte. Aber dann klappte bis Jülich
alles wie geplant. Nach 25.6 km erreichte ich um 6 Uhr die
Solartankstelle, schloss den City-El nach vorherigem Ziehen und
Stecken der Sicherung F3 an und machte mich im Wagen
schlafbereit. Es geht wirklich! Um 7 Uhr wurde ich wach. Nach
Ladezustandsanzeige ging ich davon aus, gegen 8 Uhr wieder
fahren zu können.
Frühstück, Morgenspaziergang, aber danach noch immer keine
Vollanzeige. Mit dem Hausmeister, der zwischenzeitlich anwesend
war, konnte ich so zumindest absprechen, wie ich bei der
Rückfahrt tanken konnte. Als nach mehreren Spaziergängen auch
gegen 10 Uhr die Anzeige nur bei 11 LED stand, manipulierte ich
schließlich an der Einstellung der Ladeendspannung, um eine
möglichst große Reichweite herausholen zu können. Klappte aber
nicht, so dass ich um 1030 Uhr unzufrieden losfuhr. Um diese
Uhrzeit wollte ich den Rhein bereits überquert haben. Bei den
bevorstehenden fast 50 km musste ich mir gute Nerven beweisen.
Nach 400m ging LED Nr. 11 aus. Fing gut an! Die Tatsache, dass
die 50 km bis zum Rhein sehr schön zu fahren waren und der
Verbrauch phantastisch war, ließ alle Sorgen verfliegen. Auch
der strahlende Sonnenschein, der ganz und gar nicht der
Wettervorhersage entsprach, sorgte für eine gute Stimmung. Mit
Erreichen der Rheinfähre in Zons um 1200 Uhr (49.5 km nach 1.5
Std.) hatte ich noch 3 LED auf der Anzeige. Auf der anderen
Rheinseite fragte ich erst einmal bei der dortigen Gaststätte
nach Strom, wurde aber sehr brüsk abgewiesen. Eine zweite
Gaststätte hatte geschlossen und der Campingplatz war
offensichtlich nicht besetzt. Sauer und von meinem City-El
überzeugt, fuhr ich um 1220 Uhr einfach weiter. Zwar ärgerte
ich mich, dass ich nicht bereits vor Zons, als ich bei
freundlich lächelnden Leuten an ihren Vorgärten vorbeigefahren
war, nach Strom gefragt hatte, aber das ließ sich ja nun nicht
mehr ändern. Außerdem schien es mir sinnvoll, so spät wie
möglich zu tanken. Die drittletzte LED erlosch sofort nach dem
Rheinübergang. Zu meinem Entsetzen kam nun keine Ortschaft,
keine Pommesbude, nichts außer einem schlecht asphaltiertem
Feldweg. Nach Erreichen Düsseldorf hätte mir bestimmt ein
Kompass Sicherheit gegen ein Verfahren gegeben. Aber ich hatte
offensichtlich Glück und landete auf dem richtigen Weg nach
Hilden. Eine Tankmöglichkeit bot sich nach wie vor nicht und
die vorletzte LED hatte mich bei Verlassen von Düsseldorf
ebenfalls verlassen. Mit vorsichtigem Fahren, zumeist
Rollenlassen, erreichte ich Hilden um 1245 Uhr, wo ich nach ca.
1-2 km eine Tankstelle fand (56.9 Km nach dem letzten Laden!).
Dort fragte ich nach, ob ich tanken dürfe. Wenn alle Tankwarte
so freundlich und zuvorkommend wären, dann wäre E-Mobilfahren
viel leichter. Nach zwei Stunden Tanken, LED-Stand bei 10 LED,
einer Menge Erläuterungen und einem improvisierten Mittagessen
ging es um 1445 Uhr weiter.
Der Weg war nun recht einfach. Ich brauchte nur dem
Straßenverlauf zu folgen. Durch das späte Tanken in Hilden
hatte sich die Entfernung zur nächsten Tankstelle deutlich
verringert. Aber die permanenten Steigungen kosteten erheblich
Strom. Die Gefällstrecken können das bekannterweise nicht
ausgleichen. Trotzdem klappte es bis Wuppertal recht gut. Dass
eine Stadt so langgezogen sein kann, hätte ich mir nie
vorzustellen gewagt. Oftmals hielt ich an, um zu sehen, ob ich
nicht bereits an der Solartankstelle vorbeigefahren sei. War
ich aber nicht. Letztlich erwies sich die Beschreibung von
Seiten der Wuppertaler Stadtwerke als 100%-ig in Ordnung. Was
dort nur störte, war der Berg, den es zur Tankstelle zu
bewältigen gab. Das Aufleuchten der Warnlampe brauchte mich
aber nicht mehr zu stören. Ich war ja kurz vor der Erholung
meiner Batterien. Für 28.8 km hatte ich diesmal auch 1.5 Std.
benötigt.
Das Anschließen an die Tankstelle dauerte ein wenig. Beim
diensttuenden Pförtner trat dieser Fall des Tankens das erste
Mal auf. Da auf der Steckdose keine Spannung war, legten wir
das Verlängerungskabel sicherheitshalber aus dem Gebäude
zunächst durch den Eingangsbereich. Aber keine zwei Minuten
später hatte er den Schalter für die Solartankstelle an seinem
Tresen gefunden, so dass wir das Fahrzeug draußen anschließen
konnten. In den verbleibenden zweieinhalb Stunden habe ich von
diesem Herrn sehr viel über Wuppertal gelernt. E-Mobilfahren
ist wirklich kommunikativ!
Von Wuppertal bis Dortmund-Löttringhausen waren es nach meiner
Vorausberechnung etwa 35 km. Die Strecke war dann allerdings
knapp 40 km lang, Steigungen und Gefälle wechselten häufig und
außerdem hatte ich eine Dauerkarte roter Ampeln. Hagen
erreichte ich noch ganz gut, aber dort musste ich dann doch
nach dem Weg fragen. Die Wege sind mit dem E-Mobil plötzlich
viel weiter. Bei Hagen überquerte ich die Ruhr, danach ging es
ordentlich den Berg rauf. Zu Anfang nicht so schlimm wie man es
mir angekündigt hatte. Aber dafür versagte nach einem kurzen
Halt, den ich benötigte, um die Taschenlampe hervorzuholen und
mir die Karte anzusehen, das Fahrlicht. So zuckelte ich eben
mit Standlicht weiter. Da der eigentliche Berg erst jetzt
begann und die Batteriewarnlampe ständig nervte, waren die
letzten Kilometer reichlich katastrophal. Mit ach und krach ich
erreichte kurz vor neun Löttringhausen.
Aber allein schon die herzliche Begrüßung waren mir in diesem
Augenblick die 16 Stunden und 150 km wert.

5 Rückfahrt
Hier wurde ich von Herrn Nestmeier bis Köln mitgenommen, so
dass nur noch lächerliche 90 km übrigblieben.

6 Resultat
Für mich steht nun fest, dass es Sinn macht, am City-El
festzuhalten. Gute Batterien, ggf. ein zusätzliches Ladegerät,
und selbst größeren Aktionen steht nichts mehr im Weg. Außerdem
ist die Atmosphäre bei der ISOR sogar noch besser als die
Verpflegung. Die allein lohnt die Fahrt.
Allerdings werde ich zukünftig einen zuverlässigen Photoapparat
mitnehmen (einen ohne elektrischen Firlefanz).

7 Wie geht es weiter?
Nach der erfolgreichen Deutschlandfahrt von Enno Meier von der
Nordseeküste nach Aub und meinen eigenen Erfahrungen kann die
Ankündigung von Herrn Nestmeier, dass 1998 die Aufnahme der
Produktion in Aub gefeiert werden wird, für mich nur bedeuten,
dass ich auf eigener Achse hinfahren werde. Einen vorläufigen
Ablaufplan habe ich für mich schon entworfen.
Innerhalb der ISOR haben wir uns als eine Gruppe wild
Entschlossener bereits über die Verwirklichung dieses Vorhabens
unterhalten.
Voraussetzung sind gute Batterien, ein zusätzliches oder aber
stärkeres Ladegerät und die Bereitschaft, ein paar Tage
rustikal leben zu können. Es wäre schön, wenn wir nicht die
einzigen wären, die dieses Abenteuer auf sich nähmen.
Die extrem langen Wartezeiten beim Tanken schrecken natürlich
ab. Ich habe mir darum ein Zusatzladegerät gebaut, das bereits
mit Erfolg genutzt wird. Mein Steinbeck-Batteriesatz erwacht
damit zu neuem Leben. Damit dürfte das nächste Vorhaben bereits
erheblich weniger riskant sein. Dass es trotzdem kein Abenteuer
für jedermann ist, macht solch ein Unternehmen aber erst
richtig interessant.

N.N. Hoffentlich weiß noch jemand, wer das geschrieben hat.

CityEL

dreirädriges Leichtfahrzeug mit Elektroantrieb

CityEL

Das CityEL ist ein dreirädriges Leichtfahrzeug mit Elektroantrieb für eine Person, das auch als Cabrio gefahren werden kann. Das CityEL ist als Pkw für den Straßenverkehr zugelassen, kann jedoch in geschwindigkeitsreduzierter Form auch als Leichtkraftfahrzeug zugelassen werden und mit Versicherungskennzeichen und Fahrerlaubnisklasse S beziehungsweise AM bewegt werden (45-km/h-Version).Um die vergangene Jahrhundertwende war das CityEL eines der meistverkauften Elektroautos in Europa. In der Werbung des Herstellers hieß es Anfang der 2000er Jahre sogar, es sei das weltweit meistverkaufte Elektroauto. Bis 2008 wurden über 6000 CityEL abgesetzt.[1][2]

Zuletzt wurde das CityEL von der Krabatt UG hergestellt.

Zitat: Wikipedia


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Tour de Ruhr 1994

Solarmobil Karlsruhe e.V.
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Tour de Ruhr 1993

Tour de Ruhr 1993

Hendriks erster mini EL, später, ab 1999, das erste Auto des Sunny-Cani-Teams, bis sich ein Schüler des Antons damit überschlagen hat.

Am Adlerturm in Dortmund.
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Tour de Ruhr 1992

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Mit der ISOR fing alles an

Im Ruhrgebiet ist die ISOR Pionier der Elektromobilität

Seit ihrer Gründung 1989 betreibt die ISOR Öffentlichkeitsarbeit und leistet bis heute ehrenamtlich Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit bei Bürgerinnen und Bürgern, in Politik, Wirtschaft und den Kommunen der weiteren Region.

Seit 1992 veranstaltet die ISOR die „Solarmobil-Tour de Ruhr“, 2013 die inzwischen 22. Rallye des Energiesparens, um in der Öffentlichkeit für das elektrische Fahren zu werben und die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge zu erhöhen. Man sollte sehen und erleben, dass E-Mobile alltagstauglich sind und eine umweltfreundliche Individualmobilität ermöglichen.

Man sah uns nicht nur als Pioniere, sondern auch als Spinner, man legte uns Steine in den Weg und warf uns Knüppel zwischen die Beine, aber wir machten unbeirrt weiter, immer die Vision von einer besseren, nachhaltigen Umwelt für unsere Kinder, Enkel und Urenkel im Blick, damit auch nach uns die Erde lebenswert bleibt. „Nach uns die Sintflut“ finden wir unerträglich, wir wollen die Zukunft gestalten!

Wir danken allen, die daran weiter arbeiten. Jeder, der uns unterstützt, ermuntert uns, nicht nach Gewinn, sondern nach einem zukunftsfähigen Leben in solidarischer Gemeinschaft zu streben.

Wir müssen eine autarke Gesellschaft verwirklichen und uns unabhängig machen von endlichen Rohstoffen.
Wir müssen Gottes Schöpfung bewahren, die Natur braucht uns nicht, wir aber die Natur.

Wir brauchen Fortschritt durch Erneuerbare Energien! Wasser, Wind und Sonne bekommen wir geschenkt, wir müssen sie nur sinnvoll einsetzen.

Und schließlich: Wollen und Reden reicht nicht. Taten müssen folgen, jeder kann etwas machen, sofort!

Gerd Petrusch, 1. Vorsitzender, und Arnold Bock, Ehrenvorsitzender, als Gründerväter der ISOR

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Einführung: Schlüsselerlebnis von Gerd

Elektromobilität –
mit einem Schlüsselerlebnis fing alles an

Wir machten Urlaub in Todtmoos (Schwarzwald).
1988 sind wir (ich meine damit meine Frau Elke und mich, Gerd) mit unserem Friseurgeschäft auf die gegenüberliegende Straßenseite umgezogen. Es war eine anstrengende Zeit, die wir hinter uns hatten, denn jetzt nach einem Jahr konnten wir unser Geschäft für 14 Tage alleine in den Händen unserer Mitarbeiter lassen.
Am 2. Urlaubstag saß ich auf dem Balkon, als ich ein Geräusch hörte, das mich an eine klimpernde Werkzeugtasche an einem Fahrrad erinnerte.

Ich sprang von meinem Sonnenstuhl auf, um zu sehen, was ich zunächst nicht glauben konnte.
Es war kein Fahrrad, das sich durch den gebirgigen Schwarzwald quälte, sondern ein Fahrzeug, das ich noch nie gesehen hatte.

Es sah aus, als hätte man 2 Fahrräder nebeneinander mit einer Sitzbank in der Mitte verbunden. Darüber war ein Sonnendach mit Solarzellen, nach unten konnte ich noch so eben Batterien und einen Elektromotor erkennen. Schon war es um die Straßenecke verschwunden.
Ich machte mir sofort Gedanken: ein elektrisch angetriebenes Vehikel hier in den Bergen und so schnell?

Am nächsten Morgen fragte ich, ob es hier ein Fahrradgeschäft gäbe.
Mann nannte mir 2 Geschäfte. In einem dieser beiden Geschäfte bekam ich einen Hinweis, dass da vorne ein Spinner mit so einem Vehikel bei Ihnen Ersatzteile gekauft hätte. Ich fuhr sofort dahin.
Und richtig: von einer gewissen Entfernung erkannte ich das Gefährt. Sein Besitzer war daran am arbeiten. Ich rief ihm zu, ob ich mir dies einmal ansehen könnte, und ob er mir das erklären könnte.

Er rief zurück, dass das nicht ginge, er habe die Pläne dafür an jemanden verkauft und deshalb dürfe kein anderer dieses sehen. Später habe ich erfahren, dass daraus das Fahrzeug „Hotzenblitz“ gebaut wurde.

OK, ich habe verstanden!
Meine Frau und ich fuhren nach Freiburg und kauften in einer Bücherei Bücher über Photovoltaik, Elektro-, HALT, damals wurden sie noch Solarmobile genannt, und den Bau von Solarfahrzeugen.
In diesen Büchern wurde immer wieder die „Tour de Sol“ erwähnt.

Im Urlaub hatte ich jetzt genügend Zeit das alles zu lesen und beschloss, wenn ich zu Hause sein würde, mich sofort damit weiter zu beschäftigen.

Beschlossen und getan:

Als wir wieder zu Hause waren, fuhr ich am nächsten Montag auf unsere Schrottplätze in Dortmund. Ich hatte Glück und fand ein kleines Auto das, mit einem Mopedmotor angetrieben wurde. Da es noch fahrtüchtig war, aber nicht mehr TÜV hatte, begannen die nervenaufreibende Gänge um Erlaubnis usw., bis ich beschloss, das alles erst dann zu machen wenn ich das Fahrzeug auf elektrisch umgebaut hatte. Also, rauf auf einen Anhänger und ab zum Autohaus Stüwe in Westhofen (Schwerte).
In der Zwischenzeit hatte ich über meine Idee mit meinen Kunden geredet. Auf einmal fragte eine Reporterin von einem Vorortblatt bei mir nach, ob sie darüber berichten dürfte.
Jetzt kam alles ins Rollen. Nachdem der Bericht in der Zeitung erschienen war, bekam ich einige Anrufe von Leuten, die dieses Thema ebenso interessant fanden. Ich habe alle, die sich dafür interessierten, in das Restaurant Forstschlösschen zum Gedankenaustausch eingeladen.

Fast alle waren sich einig, dass wir einen Verein gründen sollten. Doch wie geht das? Wir beschlossen uns jetzt regelmäßig zu treffen. Bei jedem Treffen wurde unsere Vorstellung über die Vereinsziele konkreter, und wir hatten den Namen für den Verein gefunden.

Initiative Solarmobil Ruhrgebiet

An Hand von Satzungen aus anderen Vereinen wurde unsere Satzung mit den Zielen, die wir mittlerweile erreicht hatten, formuliert und beim Amtsgericht eingereicht.
Als erster Vorsitzender Gerd Petrusch und zweiter Vorsitzender Arnold Bock nahmen wir die Arbeit auf, was in den nächsten Jahren zu einer Pionierarbeit werden sollte.
Wir beschlossen, als Initiative hier im Ruhrgebiet die Solarmobile der Öffentlichkeit vorzustellen und bekannt zu machen. Es sollte einmal im Jahr eine Veranstaltung unter dem Begriff „Solarmobil Tour de Ruhr“ stattfinden. Wir sind auch heute noch der Meinung die Veranstaltung sollte immer am Anfang der Sommerferien in NRW stattfinden. Also besuchten wir die Tour de Sol in der Schweiz und lernten, wie man solche Veranstaltungen plant, ausrichtet und durchführt. Eines unserer Ziele war, alle Teilnehmer die an der Tour mitmachen, hier im Ruhrgebiet zu zeigen wie gastfreundlich wir hier sind.
Arnold Bock und ich brauchten Geld, um für die Teilnehmer, Unterkunft, Verpflegung und Preisgelder für die Energiewertung zu bekommen.
Wir entwickelten ein Sponsorkonzept und begannen mit Sponsorgesprächen. In den ersten zwei Jahren erarbeiteten wir ein Konzept, so dass 1991 die erste Solarmobil Tour de Ruhr statt finden konnte.

Wir hatten Sponsoren aus Städten, Firmen, EVU s (Elektro-Versorgungs-Unternehmen) und vielen anderen Organisationen gefunden, die unser umweltfreundliches Werben mit regenerativen Energien zum Antrieb von Elektromobilen sehr gut fanden. Wir mussten lernen, wie wir Genehmigungen bekamen, wie unsere Teilnehmer sich zu verhalten hatten, was erlaubt und nicht erlaubt ist, wie wir die Öffentlichkeit motivieren können und das Ganze ökologisch und ökonomisch gestaltet werden muss.
Früher haben wir die zu fahrenden Strecken vorher abgefahren und haben jede Straße, die zu fahren war mit „grade, rechts, links, über, in“ beschrieben. Heute hat jeder sein NAVI.
An den wenigen Montagen und Sonntagen, die dann noch übrig blieben, waren wir auf Ausstellungen, Veranstaltungen, Umweltmärkten usw. um diesen revolutionären Gedanken der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Wir führten unzählige Gespräche über den Begriff Solarmobil, dem Glauben, Strom aus der Steckdose sei nicht sauber, über Reichweite, Batterien, familienfreundlich, Urlaubreisen, Sicherheit und vieles mehr.

Ach ja, da war noch mein Umbau vom Mopedauto zum Solarmobil.
Immer, wenn es ging habe ich daran in der Autowerkstatt Stüve gearbeitet. Ein großes Lob an diese Werkstatt, die mir einige Arbeiten abgenommen haben, die ich als Friseur nicht machen konnte.
Wo wir schon beim Loben sind, mein Kollege Arnold Bock hat mir immer mit aufbauenden Rat und Tat zur Seite gestanden. Und da wären unsere Frauen, ohne sie wäre alles schon früher gescheitert, wenn sie nicht mit uns so geduldig gewesen währen.
Nach ca. 3 Jahren wahr der „Jonny Golf“ fertig. Ich fuhr mit ihm elektrisch beim TÜV vor und fiel bei der ersten Funktionsprüfung durch. Die Prüfung bestand daraus, dass das Lenkrad voll links eingeschlagen wurde und bei der Fahrt sich wieder automatisch in die Geradeausfahrt lenken musste, doch mein Jonny fuhr immer nur links herum.
Danach hat das E Mobil 10 Jahre nur so rum gestanden.

Nach unserer ersten Tour de Ruhr habe ich bei mir zu Hause angefangen, eine 1,25 kW Photovoltaik Anlage und eine 6 qm Solarthermik Anlage mit Niedertemperatur Gas Anlage zu Installieren.
Ich habe dem Wirtschaftministerium geschrieben, um auf Förderung für Solarmobile aufmerksam zu machen. Das wurde sogar erhört und ich bekam als erster eine Förderung von 10.000,- DM für mein erstes Solarmobil (Kewet 2). Später (2005) erhielt ich noch eine Auszeichnung als Energiesparer NRW für mein Haus mit Solarstrom und Solarwärme.

Nach fast 20 Jahren haben mein treuer Gefährte Arnold Bock und ich im Jahr 2010 unseren Vorsitz an die jüngere Generation abgegeben, die uns sofort zum Ehrenvorsitzenden und Präsidenten gewählt haben.

Meine neue Aufgabe sehe ich darin, die Elektromobilität in Dortmund voran zu treiben, in dem ich den „Runden Tisch Elektromobilität“ leite.
In unregelmäßigen Abständen, aber mindestens 4 mal im Jahr, treffen wir uns bei der DEW21 in Dortmund und sprechen mit Behörden, Ämtern, Fachhochschulen, EVU s, Ministerien, Bürgern, Banken, Politikern usw.
Wir haben in Dortmund durch das ehrgeizige Vorantreiben der RWE eine Infrastruktur an Stromnachladestationen geschaffen, die eine Anschaffung von 30 bis 50 Elektromobilen fordert.

MfG. Gerd Petrusch.

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